International VdS Conference "Risk Management & Fire Safety" Istanbul in Kooperation mit Risk Experts

11.11.2014

Am 3. und 4. November veranstalteten VdS Schadenverhütung (Köln) und Risk Experts (Wien) eine internationale Fachtagung in Istanbul. Die Veranstaltung bot einen vielfältigen Themenmix aus den Bereichen Risikomanagement, Schadenverhütung und Brandschutz mit einem speziellen Fokus auf die regionalen Herausforderungen in der Türkei.

 

 

International erfahrene Experten aus Deutschland, Österreich und der Türkei vermittelten in Vorträgen ihr Praxiswissen. Die Eröffnung der Tagung erfolgte durch VdS-Geschäftsführer Robert Reinermann und RiskExperts-Geschäftsführer Dr. Michael Buser. Durch die Veranstaltung führten Heidi Brukner, Risk Experts, und Ingeborg Schlosser, VdS.

 

 

Zu Beginn der Tagung stellte Mert Ücok, Leiter der Istanbul-Niederlassung von Risk Experts, die Marktbedingungen und das wirtschaftliche Umfeld in der Türkei dar. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Versicherer in der Türkei aufgrund hoher Verluste in der Vergangenheit verstärkt nach risikoarmen Unternehmen Ausschau halten. Für die Unternehmen bedeutet dies, dass der Aspekt Risikomanagement und Schadenverhütung insbesondere im Hinblick auf die Versicherungsmöglichkeiten und -konditionen in Zukunft immer wichtiger werden wird.

 

 

Auf diesen Überblick folgten Vorträge mit Fokus auf bestimmte Risiken. Mert Ücok stellte die Gefährdungen bei der Verarbeitung von Kunststoffen dar – neben den Brandgefahren selber müssen immer auch die möglicherweise folgenden Betriebsunterbrechungen betrachtet werden. Obwohl es für alle Prozesse entsprechende Schutzmaßnahmen verfügbar sind, werden diese oft nicht umfassend umgesetzt.
Kunststoffe stellen einerseits eine hohe Brandgefahr dar, eignen sich andererseits aber auch hervorragend als (kostengünstige) Isoliermaterialien für Gebäude. Dr. Michael Buser, Geschäftsführer von Risk Experts, berichtete sehr anschaulich mit vielen Fotos über die Vor- und Nachteile der Verwendung von Kunststoffen zur Isolierung.

 

 

Hugo Seitz von RiskExperts widmete sich dem Thema Naturgefahren. In der Türkei stellen Erdbeben, Überschwemmungen und Landrutsche die größten Gefahren dar. Hugo Seitz erläuterte die unterschiedlichen Gefährdungen, stellte verschiedene Möglichkeiten zur Gefahreneinschätzung und Maßnahmen zur Risikominimierung dar.
Im folgenden Vortrag wurde vorgestellt, welche Folgen die Verursachung von Umweltschäden für ein Unternehmen und deren Verantwortliche haben kann. Heimo Gruber, RiskExperts, schilderte wie sich in der Folge einiger großer Umweltschäden die Rechtslage verändert hat (u.a. durch die EU-Direktive 2004/35/CE) und heute die Verursacher sehr weitreichend zur Verantwortung gezogen werden.

 

 

In dem Vortragsblock „Technische Standards“ berichtete Norbert Reinhardt, Leiter der Kölner Niederlassung der Technischen Prüfstelle von VdS, über die VdS-Richtlinien für Planung und Einbau von Sprinkleranlagen (VdS CEA 4001) mit Schwerpunkt auf den eingeflossenen Neuerungen. Außerdem stellte er neue Schutzkonzepten für spezielle Risiken vor.

 

Ilyas Feldkamp-Sevencan, Sachverständiger und Mitarbeiter der Technischen Prüfstelle von VdS, präsentierte einen Überblick über die wichtigsten international verfügbaren Regelwerke für Planung und Einbau von Gaslöschanlagen und deren Unterschiede. Außerdem stellte er Anforderungen für die heutzutage in IT-Bereichen immer häufiger anzutreffenden Kalt- und Warmgangeinhausungen vor (VdS 3152).

 

 

Jens Rittmeyer von Job Detectomat ging auf die Problematik von Falschalarmen bei Brandmeldeanlagen ein. Sein Fazit: Durch die Beachtung aktueller Standards und technischen Regeln (z.B. EN54 und VdS 2095), die Verwendung qualitativ hochwertiger zertifizierter Produkte, Einbau und regelmäßige Wartung durch Fachfirmen und gut ausgebildetes Betreiberpersonal können Falschalarme vermieden werden.

 

 

Es folgten praktische Beispiele aus der Industrie: Michael Milbrodt von ThyssenKrupp Risk and Insurance Services GmbH berichtet über die Gefahren aufgrund der Verwendung von Kunststoffen in der Metallverarbeitung und eine Erfolgsgeschichte zum Thema Risikomanagament: Nach einem großen Brandschaden an einer elektrolytischen Bandbeschichtungsanlage, verbunden mit hohen Kosten und über einem Jahr Betriebsunterbrechung, wurde von ThyssenKrupp gemeinsam mit VdS ein Schutzkonzept für diese Anlagenart entwickelt und weltweit umgesetzt. Seither kam es zwar noch einige Male zu (aufgrund der Betriebsart nicht vermeidbaren) Brandereignissen, die aber nur geringen Sachschaden und nur wenige Stunden Betriebsunterbrechungen zur Folge hatten.

 

 

Gerald Netal, Risk Experts, erläuterte, wie sich aus den Anforderungen an die moderne produzierende Industrie neue Brandrisiken ergeben und damit auch neue Herausforderungen für Brandschutz. Seine Empfehlung: Die Schutzmaßnahmen sollten in jedem Objekt individuell unter Berücksichtigung der örtlichen und regionalen Gegebenheiten, aber auch im Hinblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen ausgewählt werden, um ein optimales Schutzniveau und ein (über längere Sicht) gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erzielen.

 

 

Peter Clauss, Wagner, stellte die Funktionsweise und Anwendungsmöglichkeiten von Sauerstoffreduzierungsanlagen dar. Für Planung und Einbau dieser Anlagenart gibt es zwischenzeitlich international mehrere technische Regelwerke (u.a. VdS 3527) sowie Untersuchungen im Hinblick auf die notwendigen Personenschutzmaßnahmen. Als praktisches Anwendungsbeispiel wurde der Schutz eines großen Lagers der Firma Hayat in der Türkei vorgestellt.

 

 

Der Vortrag von Dr. Michael Buser, RiskExperts, zeigte noch einmal sehr deutlich die Bedeutung von Risikomanagement für die Unternehmen und die Versicherungen auf und stellte dar, dass Experten für die unterschiedlichsten Themenfelder im Bereich des Risikomanagements, wie sie bei RiskExperts zu finden sind, wertvolle Unterstützung bieten können.


Für eine erfolgreiches Risikomanagament ist es auch wichtig, dass Brandschutzanlagen nicht nur vorhanden sind, sondern auch jederzeit einsatzbereit sind und im Brandfall wirksam und zuverlässig funktionieren. Ein wesentlicher Baustein dafür ist die regelmäßige Prüfung durch unabhängige Sachverständige der Technischen Prüfstelle von VdS. Diese beinhaltet auch die sogenannte Altanlagenprüfung, die bei Sprinkleranlagen nach 12,5 bzw. 25 Jahren durchgeführt wird. Die von Norbert Reinhardt, VdS, dargestellten Erfahrungen aus mehr als 10 Jahren Altanlagenprüfung belegen die Relevanz dieser detaillierten Untersuchungen von Rohrnetz und Sprinklern.


Ingeborg Schlosser, Leiterin des VdS-Bildungszentrums, und Heidi Brukner, Leiterin der RiskExperts Academy, zeigten auf, wie wichtig Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung im Bereich Risikomanagement und Brandschutz ist und welche Vorteile es für Unternehmen bietet, über gut ausgebildetes Personal im Bereich Sicherheit zu verfügen. VdS und RiskExperts decken mit ihrem Bildungsangebot nahezu allen Themen im Bereich Brandschutz und Risikomanagement ab und bieten Schulungen in unterschiedlichen Sprachen und für unterschiedliche Zielgruppen an.
Anja Oldenburger, Hannover re, erläuterte die Rolle der Rückversicherer im Markt, welche Faktoren für den Rückversicherer zur Bewertung des Risikos relevant sind und welche Relevanz die Risikoqualität für die Versicherungsbedingungen haben.

 

 

Im letzten Vortragsblock wurden besondere Herausforderungen an das Risikomanagment vorgestellt. Gerald Netal, RiskExperts, berichtet über Betriebsunterbrechungsrisiken und Lieferkettenmanagement. Die Risiken steigen mit der zunehmenden Komplexität der (internationalen) Abhängigkeiten von Zulieferern. Die genaue Analyse und Kontrolle von Lieferketten ist daher unabdingbarer Bestandteil des Risikomanagements.
Johan Brandl von Geoconsult berichtete über Risiken und Risikomanagement bei Tunnelbauten – während der Bauphase ebenso wie im Betrieb. An zahlreichen Fallbeispielen wurde dargestellt, mit welchen Maßnahmen bei heutigen Bauten Personen- und Sachschäden insbes. aufgrund von Brandereignissen vorgebeugt wird.